Panoramen der menschlichen Existenz in unserer Gegenwart mit ihren Konflikten und Problemen, dargestellt aus der Perspektive der Erlebniswelt von Kindern bilden das Thema der Malerei von Azadeh Vaziri. Der „Schmerzensschrei“ oder die „trocknenden Tränen“ werden zu eindrucksvollen Bildern des Leidens und verweisen auf die verheerenden gewalttätigen Auseinandersetzungen und Konflikte der menschlichen Gesellschaft unserer Gegenwart, ein Bild Schrei wird zum konzentrierten Ausdruck dieser Situation, Figuren aus populären Comic-Serien fuchteln mit Revolvern und sind mit der Realität des Krieges konfrontiert. Zur Vision des Gegensatzes dazu wird die Utopie der „Liebe“, die in diesen Bildern von „unschuldigen“ Kindern auch immer wieder sichtbar ist, eindrucksvoll präsent wie in einem Bild Meine liebe Puppe.
Aus eigenstem persönlichem Empfinden und mit elementarer Ausdruckskraft gestaltet sind diese Bilder von Azadeh Vaziri ein authentisches Dokument eines unverfälschten Lebensgefühls unserer Gegenwart. Wie direkte Berichte aus einer persönlichen Erlebniswelt, aus der Erlebniswelt der Kindheit, scheinbar voller Heiterkeit und doch plötzlich die unhintergehbare Problematik, Bedrohung und Angst der menschlichen Existenz in unserer Gegenwart spürbar werden lassen, sind die Bilder in ihrer vollkommen eigenständigen Sprache Dokumente dieser unserer Zeit. In der dichten Farbigkeit entstehen Figuren, Gesichter, aus erinnerter Kindheit oder auch Zitate und Gestalten aus der den Kindern gewidmeten Welt populärer Comic- Figuren und dabei artikulieren sich Situationen der Risiken und Konflikte, der Aggressionen, der Trauer oder des Schmerzes. Aus wie spontan gesetzten leuchtend farbigen Flecken bilden sich Kompositionen und Narrative in charakteristischen Ausdrucksformen, vollkommen frei von trendigen Vorgangsweisen der Kunstszene oder akademischen Obligationen. Und die sich kontrastierend gegenseitig steigernden Farben geben den Bildern mit ihrer leuchtenden Lebendigkeit ihre ganz besondere emotionelle und malerische Qualität.
– Ulrich Gansert

 

Das künstlerische Werk von Azadeh Vaziri ist meist von gesellschaftlicher Relevanz und lädt die Betrachtenden stets nachdrücklich zur Reflexion ein. Häufig verarbeitet die Künstlerin Erlebtes und Gelebtes, Wahrnehmungen und Beobachtungen. In einem explosiven Akt der Befreiung schafft sie eine neue befreite Wirklichkeitdie Reales in eine pulsierende Zeichensprache übersetzt.

Berthild Zierl, Präsidentin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, Landesverband Wien/NÖ/Bgld.

 

Azadeh VAZIRI bedient sich für ihre Acryl-Malereien an den verführerischen Paletten greller  Farben und poppiger Cartoon-Gestalten. Den süßlichen, vordergründigen Fokus stört sie aber jäh durch Attribute der Gewalt und ihrem Hauptthema, des Krieges. Vaziri versorgt Mickey Mouse mit einer Waffe und spielt mit der comichaften Ästhetik von Detonationen. Das größte Augenmerk schafft sie aber, wenn sie diesen harmlosen Darstellungen Kreaturen gegenüberstellt, die zerfurcht und deformiert sind und wenn sie die glatten Oberflächen mit jenen des Makels und des Leids konfrontiert.
Vaziri lebt und arbeitet erst seit 2015 in Wien. 1984 in Teheran im Iran geboren, schloss sie ebendort 2013 mit dem Master of Arts  (Painting Department) an der Teheran-Azad University ab. Ihre unmittelbare Nähe zur alltäglichen Gewalt – Steinigungen und Vergewaltigungen – sowie den allgegenwärtigen Kriegen im Mittleren Osten machte sie schon vor vielen Jahren zum Thema. Sie möchte für keine politische Seite Partei ergreifen, sondern lediglich sichtbar machen, was aus einem eurozentrischen Blickwinkel zwangsläufig kaschiert wird und im Verborgenen bleiben kann.
– Florian Resse